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Autor Thema: Faktencheck SZ vom 19.05.2020, Behauptung 2

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Faktencheck SZ vom 19.05.2020, Behauptung 2
Post öffnen: 21 Mai , 2020, 22:54:20
Per 19.05.2020 wurde in der Süddeutschen Zeitung ein Faktencheck publiziert mit der Zielsetzung:
Zitat
Mit unwahren Behauptungen stellen vermeintliche Experten die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Frage. Wir entlarven die gröbsten Lügen und Missverständnisse.
Was ist dran an den Behauptungen und wie sind sie zu diskutieren?

Zitat
Behauptung 2:
Die Zahl der Infektionen nimmt nur zu, weil mehr getestet wird


Dieser Idee scheint auch US-Präsident Donald Trump anzuhängen. Er sagte kürzlich: Wer teste, finde auch Fälle. „Wenn wir nicht mehr testen würden, hätten wir nur sehr wenige Fälle.“ Aber da liegt halt der Fehler des US-Präsidenten und aller, die so denken: Es würde auch ohne Virustest Fälle geben, Menschen müssten in Krankenhäusern behandelt werden, damit sie nicht sterben. Viele würden es nicht schaffen. Sie würden ohne Virustest allerdings nicht in die Corona-Statistik einfließen.

Es ist richtig, dass man mehr findet, wenn man gründlicher sucht. Um da nicht in die Irre zu laufen, muss man die Zahl der Tests mit den gefundenen Fällen ins Verhältnis setzen. Dieser Anteil der positiven Virustests an der Gesamtheit der Tests ist im März von Woche zu Woche gestiegen und erreichte in der ersten Aprilwoche mit 9,0 Prozent den vorläufigen Höhepunkt. Auch die Zahl der Tests ist in diesem Zeitraum dramatisch angestiegen, nämlich von 127 000 pro Woche Anfang März auf 400 000 pro Woche Anfang April. Doch ausgerechnet in der Woche mit der höchsten Testzahl war auch der Anteil der positiven Tests am höchsten. Wäre an dem Glauben, die Zahl der Infektionen war nur so hoch, weil so viel getestet wurde, was dran und tatsächlich sind kaum noch neue Fälle hinzugekommen, hätte der Anteil der positiven Tests sich nicht verändern dürfen.

Seit dem Höhepunkt im April fällt der Anteil wieder deutlich. In der ersten Maiwoche lag der Anteil positiver Tests bei 2,7 Prozent, obwohl die Zahl der Tests nicht so stark abgenommen hat. Das ist ein gutes Zeichen. Aber eben auch ein Zeichen dafür, wie wichtig es ist, viel und breit zu testen. Nicht nur, um die Zahlen in Statistiken zu füllen, sondern vor allem, um Infektionsketten zu unterbrechen und das Virus zu stoppen. Wie gut das auch dank vieler Tests funktioniert, zeigt sich in der sinkenden Zahl der täglich neu diagnostizierten Fälle. Hanno Charisius

Behauptung 2:
Die Zahl der Infektionen nimmt nur zu, weil mehr getestet wird


Diese Behauptung ist in der Tat unwahr, sie wurde aber auch so nie von „vermeintlichen Experten“ verbreitet.
 
Tatsächlich wurde immer kritisiert, dass ein exponentieller Anstieg der Infektionszahlen, der eine epidemische Verbreitung dieses neuen Virus dokumentieren sollte, nur deshalb zustande gekommen ist, weil die Zahl der Testungen exponentiell angestiegen ist und die so neu gemeldeten Fälle zudem noch täglich kumuliert angezeigt worden sind. Damit ist ein angstmachendes Horrorgemälde ins Werk gesetzt worden, dass nie die Wirklichkeit abgebildet hat.

Denn in Wirklichkeit ist der Anteil der positiv Getesteten im Verlauf der Infektionswelle von etwa 3% zu Beginn bis knapp 10% zum Höhepunkt der Welle gestiegen, um dann auf unter 3% zum Ende der Welle abzufallen.

Den irrlichternden US-Präsidenten Donald Trump als Beleg für die Diskussion um die Verhältnismäßigkeit der Eindämmungsmaßnahmen in Deutschland heranzuziehen ist etwas skurril und dient nicht der „Beweisführung“, sondern nur der Diskreditierung, indem die Kritik an den Eindämmungsmaßnahmen in die Nähe nationalistischer, (rechts)populistischer Politiker gerückt wird.

Fazit:
Nur durch eine irreführende Darstellung der Kritik wird eine vermeintliche Lüge konstruiert, die dann „entlarvt“ werden kann.
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« Letzte Änderung: 22 Mai , 2020, 14:37:53 von Otto »